Kindererziehung

Warum Smartphones und Kindererziehung nicht zusammenpassen

Paul Familienleben 8 Comments

Handys – oder Smartphones – sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Sie erleichtern uns durch unzählige Apps so viele Dinge im Alltag. Aber können Smartphones ein Problem in Sachen Kindererziehung darstellen?

Dieser Frage gehen wir heute mal auf den Grund. Die Idee zu diesem Thema stammt jedoch nicht von uns, sondern von einer Blogger-Kollegin.

Sarah von Mamaskind hat dazu aufgerufen, einen Artikel zum Thema #ZeitOhneSmartphone zu schreiben. Diesen Aufruf nehmen wir zum Anlass, das erste Mal an einer Blogparade teilzunehmen.

Warum wir vorher noch nie an einer Blogparade teilgenommen haben? Das liegt hauptsächlich daran, dass wir die meisten Blogparaden schlichtweg verschlafen – also oft gar nicht mitbekommen, dass gerade eine läuft.

Mittlerweile sammelt Martin von Blogstar Eltern aber fleißig die über das weite Internet verstreuten Blogparaden und präsentiert sie übersichtlich und aktuell.

 

Das teuflische Smartphone

Wie oft werden Smartphones mittlerweile kritisiert oder gar verteufelt. Leute sitzen in der U-Bahn und starren unentwegt auf ihr Handy. Wie schrecklich! Früher war alles besser…

…denn früher gab es noch keine Handys. Da haben die Leute auf dem Arbeitsweg nicht auf dem Smartphone gelesen. Sie haben aus dem Fenster ins Dunkle des U-Bahn-Tunnels gestarrt und waren glücklich.

Ach nein, warte mal… Man konnte ja auch früher bereits seine Zeit sinnvoller nutzen, als einfach nur dazusitzen. Und das haben Leute bereits vor 100 Jahren getan. Auch früher haben Menschen in solchen Situationen bereits Nachrichten gelesen.

Nur halt nicht auf dem Smartphone, sondern in der Zeitung. Ganz old school halt.

Aber wo ist da der Unterschied?

Genau! Es gibt keinen.

Nur die Zeit ist vorangeschritten. Die Art, Medien zu konsumieren, hat sich verändert.

Smartphones sind einfach die Zeitung des 21. Jahrhunderts.

Aber eben nicht nur die Zeitung. Handys sind heute Telefon, Kamera, Computer, CD-Player, Spielekonsole, Einkaufs-Center, Lexikon, Banking-Terminal, und…

Kurs gesagt: Smartphones können alles!

Und da liegt auch gewissermaßen das Problem. Es gibt eigentlich keinen Grund, das Smartphone aus der Hand zu legen. Es ist einfach zu verführerisch, doch mal einen kurzen Blick drauf zu werfen. Zu schauen, was es auf Facebook, Twitter oder Instagram so Neues gibt.

 

Wenn das Handy zum Problem wird

Ist ein Smartphone ein Problem, wenn es um Kindererziehung geht? Prinzipiell würden wir Nein sagen!

Das Problem ist unserer Meinung nach der falsche Umgang damit. Aber wann ist der Umgang falsch?

Falsch ist er, wenn er zu Problemen führen kann. Genauer gesagt zu Problem zwischen Eltern und Kind – denn das kann durchaus negative Folgen haben.

 

1. Problem: Depressionen

Laut einer Umfrage leidet beispielsweise bereits jedes dritte schwedische Kind darunter, dass sich seine Eltern zu viel mit dem Handy beschäftigen. Dieses Defizit an Beachtung kann zu Depressionen führen. Den ausführlichen Artikel findest du hier.

Und genau da liegt auch der Punkt. Es geht um das zu viel. Was zu viel ist, lässt sich hingegen wohl kaum festlegen und muss in jeder Eltern-Kind-Beziehung neu definiert werden.

 

2. Problem: Neid

Ein weiteres potenzielles Problem ist, dass Kinder Neid auf das Smartphone der Eltern entwickeln können. Was könnte man sich schlimmer vorstellen, als dass das eigene Kind denkt, einem sei das Handy wichtiger!

 

3. Problem: Falsche Kommunikation

Auch kommunikativ kann ein Smartphone schlechte Auswirkungen auf die Beziehung zu Kindern haben. Wie oft beobachtet man, dass zwar ein Gespräch zwischen Eltern und Kindern stattfindet, die Augen jedoch ausschließlich auf dem Smartphone ruhen? Mit normaler Kommunikation hat das nichts zu tun. Schlimmer noch: Kleine Kinder werden eventuell nicht einmal verstehen, dass man mit ihnen spricht, wenn der Blickkontakt fehlt.

 

4. Problem: Vorbildfunktion

Letztlich hat die übermäßige Nutzung des Smartphones vor den Kindern natürlich auch einen erheblichen Einfluss auf die Vorbildfunktion der Eltern. Wie soll das Kind einen verantwortungsvollen Umgang mit Technologie lernen, wenn es die Eltern selbst nicht können.

 

5. Problem: Unaufmerksamkeit

Manchmal sieht man eine Sekunde weg und schon ist das Kind gestürzt, das Baby vom Bett gefallen, die Tischdecke vom Tisch gerissen, …

Es gibt zu viele Situationen, in denen mit (kleinen) Kindern blitzschnell etwas passieren kann. Natürlich ist es nicht möglich, dass wir unsere Kinder immerzu im Blick haben, aber wir sollten es versuchen. Ständig mit dem Handy in der Hand ist dies schwer möglich – ein kurzer Blick auf das klingelnde Smartphone oder das Mal-kurz-die-WhatsApp-Nachricht-Checken und schon ist aus der einen unachtsamen Sekunde doch eine Minute geworden und das Unglück ist passiert.

 

Was wir dazu sagen…

Smartphones und Kindererziehung? Das kann doch nicht gut gehen. Irgendwie schließt sich das doch schon von vornherein aus. So kommt uns jedenfalls die einhellige Meinung der Medien vor.

Wir sehen das anders!

Denn Smartphones sind Teil unseres Lebens – unserer Gesellschaft. Sie gehören nun einmal mittlerweile dazu. Und sie machen auch wirklich viele Dinge leichter. Und Kinder benötigen auch nicht ununterbrochen die Aufmerksamkeit der Eltern. Da ist auch mal Zeit für das Handy.

In diesem Punkt sind wir der gleichen Meinung wie Sonja von Mama notes. In ihrem lesenswerten Artikel „Ich bin die Mutter, die in ihr Handy starrt“ findet ihr einen weiteren Beitrag zum Thema #ZeitOhneSmartphone.

Trotzdem haben wir uns fest vorgenommen, das Smartphone, so weit es eben geht, aus der Kindererziehung rauszuhalten.

Warum?

Weil wir uns in der gemeinsamen Zeit mit unserer Lilli eben mit ihr beschäftigen möchten. Das heißt nicht, dass das Smartphone ganz und gar verschwindet. Denn wenn wir ehrlich sind, liegt das Smartphone ja doch nicht in der untersten Schublade vergraben, nur weil Lilli dabei ist. Und warum sollten wir es auch verstecken. Es ist ja grundsätzlich nichts Schlechtes.

Wenn Oma anrufen skypen möchte, werden wir das nicht untersagen, nur, weil wir das Smartphone nicht vor Lilli nutzen möchten. Auch wenn Lilli mal alleine spielt, sehen wir keinen Unterschied darin, in einem Buch, in einer Zeitschrift oder eben auf dem Handy zu lesen.

Und in wie vielen Situationen hat uns das Smartphone nicht schon geholfen…

Wie oft konnten wir schon Situationen mit der Handykamera festhalten und lustige Bilder machen? Das passiert doch ständig – hier ein Foto und da eins, blitzschnell ist eins gemacht und gleich an die Familie verschickt. Warten wir bis Paul seine Kamera rausgeholt hat und alle Einstellungen passen, ist Lilli schon wieder in der anderen Ecke des Zimmers und die Situation vorbei.

Es geht also für uns nicht darum, das Smartphone ganz zu verbannen. Unser Ziel ist es aber einen Umgang mit dem Handy zu pflegen, der eben nicht zu Problemen führt.

 

Wie handhabst du den Umgang mit dem Handy vor deinem Kind? Findest du, dass Smartphones ein Problem bei der Kindererziehung sind?

Kommentare 8

  1. Dieser Beitrag gefällt mir richtig gut und trift den Nagel perfekt auf den Kopf!
    Das Smartphone, ebenso wie das Tablett und der Laptop, sind nun mal die Informations-, Kommunikations- und Newsquelle der heutigen Zeit und auch in der Schule werden die Kids immer früher mit dem PC oder Laptop konfrontiert weil heutzutage fast nichts mehr ohne geht. Welche Ladenkasse funktioniert heute denn noch ohne Computer?

    Wichtig ist daher wie wir damit umgehen und wie wir unseren Kindern den Umgang damit vermitteln. Unsere kleine ist 6 1/2, geht in die 1.Klasse und auch dort benutzen sie seit Januar den Laptop um über das Program „Antolin“ eben gelesene Büchern/Geschichten zu bewerten oder Fragen zu den Geschichten zu beantworten und so Punkte zu sammeln, welche ab der 4. Klasse sogar zum Teil mit in die Deutschnote einfließen werden. Zoe findet das total klasse und ist noch motivierter zu lesen, gelegentlich erwische ich sie sogar wie sie mit dem Buch in der Hand länger als nötig auf der Toilette sitzt :-)
    Auch spielt sie gerne mal auf dem Tablett, entweder ein Lernprogramm, oder einfach auch mal nur ein Spiel mit Pferden und Co. Für sie ist der Umgang damit schon so normal dass es ihr fast langweilig wird. Spätestens nach einer halben Stunde hängt das Ding wieder am Ladekabel und Zoe ist einfach nur Kind und genießt es mit Freunden zu spielen oder im Garten zu toben.
    Wir (Mama und Papa) benutzen Smartphone, Laptop und Co auch recht häufig, achten aber darauf dass die Kids nicht zu kurz kommen und ihnen dann auch unsere ungeteilte Aufmerksamkeit gehört.

    1. Hallo Tanja,
      sehr interessant zu hören, wie mit dem Thema in der Schule umgegangen wird. Das ist für uns natürlich noch in ganz weiter Ferne – aber es kommt ja ganz sicher :)
      Liebe Grüße

  2. Euer Artikel bringt es haargenau auf den Punkt wie ich finde. Die Dosis macht das Gift und es ist heutzutage ja schon normal, dass die Kinder mit Smartphones aufwachsen…wobei, Herr M., der alte Hinterwäldler, hat noch immer ein Steinzeithandy (immerhin schon mit Kamerafunktion), das er auch ständig vergisst. Er ist also noch kein Kommunikationsopfer und kann sich dann im Fall des Falles komplett und ausschließlich auf unsere Kleine konzentrieren, während ich ein bißchen mit meinem Smartphone rumspiele ;-)
    LG, Manati

    1. Kinder von Smartphones fernzuhalten, wäre wohl auch der falsche Ansatz. Wenn der Partner aber natürlich der Smartphone-Sucht gar nicht verfallen ist, macht es die ganze Sache natürlich in der Tat wesentlich einfacher :)
      Liebe Grüße

  3. Pingback: Ergebnis der Blogparade - Smartphone gehört dazu

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